Telekommunikation

GBR T-Systems nominiert für den Deutschen Betriebsrätepreis 2017

GBR T-Systems nominiert für den Deutschen Betriebsrätepreis 2017

Betriebsrat Hans-Uwe (Wilhelm) Ruß vom BR TSI Nord aus Kiel ist dabei und verabschiedet sich anschließend in den (Un)Ruhestand.
 
Der Gesamtbetriebsrat T-Systems International GmbH ist für den Deutschen Betriebsrätepreis 2017 nominiert. Dieser wird in Bonn auf dem Deutschen BetriebsräteTag (12. - 14. 12. 2017) vergeben. Zwölf Betriebsräte stellen über drei Tage im ehemaligen Plenarsaal des Bundestages ihre Projekte vor und hoffen auf einen der drei Auszeichnungen Gold, Silber Bronze  bzw. auf einen der Sonderpreise in den Kategorien „Gute Arbeit“, „Innovative Betriebsratsarbeit“ oder „Europa mitbestimmen“. Insgesamt wurden fast 80 Projekte aus allen Branchen eingereicht.

Hans-Uwe Ruß vom BR TSI Nord hatte die Idee, sich in diesem Jahr zu bewerben und überzeugte sein GBR-Gremium mit einem vorbereiteten Grundkonzept.
Hans-Uwe Ruß: „Unser neu gewählter GBR Vorsitzender Helmut Wagner aus Aachen, seine Stellvertreterin Eva Snigula aus Berlin  und ich werden unser Projekt vorstellen. Vielleicht kann ich mit meiner Erfahrung weiter helfen, da ich bereits 2012 einmal dort vorne stand, als wir mit unserem Regionalbetriebsrat zum Thema „Neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit des BR“ nominiert waren. Es wäre ein schöner Abschluss meines Berufslebens, wenn wir dieses Mal einen der begehrten Preise gewinnen würden. Für mich sind nämlich die drei Tage in Bonn, nach 47 Jahren und drei Monaten im Betrieb des Fernmeldewesens/Telekom/T-Systems die letzten Aktionen für meine Firma“.

Das Projekt: T-Systems Transformation 2015+
Die Streichung von ca. 4.000 der 25.000 Arbeitsplätze bei T-Systems in Deutschland innerhalb von zwei Jahren verlief ohne betriebsbedingte Beendigungs­kündigungen. Wo es in anderen Unternehmen zum rigorosen Abbau durch Kündigungen kommt, haben Arbeitnehmervertreter der T-Systems (der GBR, die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und die Gewerkschaften ver.di sowie IG Metall) es geschafft, den Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass ein Umbau möglich ist und dass ein sozialverträglicher Weg eingeschlagen werden soll.

Dafür mussten natürlich auch finanzielle Mittel bereitgestellt werden. All dieses und weitere Dinge, wie ein 9-Punkte Papier wurde auf Initiative der Arbeitnehmervertreter Anfang 2014 (begleitet von einer Demonstration vor der Zentrale der Telekom in Bonn) im Aufsichtsrat der T-System durchgesetzt. Selbstverständlich mussten auch Kröten geschluckt werden, wie z.B. eine erhebliche Portfoliobereinigung, die auch zu Verlusten an Arbeitsplätzen führte, sowie der Verkauf von Firmenteilen an einen Finanzinvestor.
Es wurde zwischen Arbeitgeber und Gesamtbetriebsrat eine Rahmen­vereinbarung verhandelt und abgeschlossen, die den Inhalt des 9-Punkte-Papiers widerspiegelt (u.a. Standortsicherung, Fremddienstleister-Substitution, Schutz schwerbehinderter Menschen, BR Beteiligung und die Möglichkeit auf IT-Stellen beim Bund zu wechseln).

Weiterhin wurden im Campusmodus über 20 Interessenausgleiche, eine GBV Veränderungs­management (Job Service & Placement), eine GBV Change und eine GBV Global Sourcing verhandelt und abgeschlossen.

Ver.di vereinbarte darüber hinaus mit T-Systems einen Tarifvertrag zur sozialverträglichen Begleitung der Transformationsprogramme T-Systems 2015+ (Konditionen für Wechsel, Altersteilzeit, Abfindungsregelungen usw.)
Kern der neuen Vorgehensweise ist eine Vermittlungs- und Qualifizierungs­einheit (Job Service & Placement). Bei JSP handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Auffanggesellschaft, sondern sie ist intern im Unternehmen angesiedelt. Beschäftigte, die ihre betrieblichen Aufgaben verloren, wurden der JSP zugeordnet. Sie blieben aber personell und kostenmäßig bei der Führungskraft des Ursprungteams. Innerhalb der JSP besteht hauptsächlich die Möglichkeit der Qualifizierung und der Vermittlung auf interne und externe Stellen. Die Betreuung erfolgt durch professionelle Jobberater*innen.
Auf Druck der Beschäftigten und ver.di stimmte der Arbeitgeber schließlich dem Ausschluss betriebsbedingter Beendigungskündigungen bis zum 31.12.2018 zu. Dies ist einmalig in der IT-Branche.

Es gab jedoch auch diverse Meinungsverschiedenheiten, bis hin zu arbeitsgerichtlichen Klärungen bezüglich der richtigen Umsetzung der Vereinbarungen zwischen Arbeitgeberseite und den Betriebsräten. Auch Betriebsräte stritten zwischendurch über den richtigen Weg. Das Ganze ging bei allen Beteiligten bisweilen an die Grenze der Belastbarkeit, ja sogar an die Substanz. Doch rückblickend bleibt die Erkenntnis: Es war eine erfolgreiche, von Betriebsräten initiierte „Jobrettungskampagne“, die ihresgleichen sucht und durchaus Vorbild für andere Unternehmen sein kann. Ausschlaggebend für den Erfolg war der Zusammenhalt und die jederzeit sehr gute Abstimmung zwischen ver.di, den Arbeitnehmervertretervertretern im Aufsichtsrat und dem Gesamtbetriebsrat der T-Systems.

Die Betriebsräte der T-Systems konnten im Rahmen des Projektes T-Systems Transformation 2015+ erfolg­reich zeigen, dass Personalumbau sozialverträglich gestaltet werden kann.

Hans-Uwe (Wilhelm) Ruß auf dem Deutschen Betriebsrätetag 2012 ver.di Kiel-Plön Hans-Uwe (Wilhelm) Ruß auf dem Deutschen Betriebsrätetag 2012